Es war einer der größten Flops seiner Karriere: Til Schweigers US-Remake „Head Full of Honey“. Während die deutsche Originalversion an den Kinokassen erfolgreich war, fiel die amerikanische Fassung beim Publikum komplett durch. Die Story funktionierte dort einfach nicht. Und genau das ist der Punkt: Ein professionell produzierter Film, große Namen, perfekte Technik – all das nützt nichts, wenn man seine Zielgruppe nicht versteht.
Für Unternehmen gilt dasselbe. Ein „schön gemachter“ Image- oder Recruiting-Film allein bringt keine Sichtbarkeit. Ja, Videos wirken stärker als Texte oder Bilder, weil sie mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen und so eher im Gedächtnis bleiben. Aber in der Content-Flut entscheidet nicht die Qualität der Kamera, sondern die richtige Video-Strategie darüber, ob ein Unternehmensfilm Aufmerksamkeit erzeugt und neue Kund*innen anzieht oder im Nirwana verschwindet.
In diesem Blogbeitrag zeige ich dir anhand von Praxisbeispielen, auf was du bei deiner Video-Strategie achten solltest.
Wie Wonder Waffel mit TikTok erfolgreich wurde
Ganz anders als Til Schweiger machte es Wonder Waffel, ein Berliner Franchise-Unternehmen, das seit 2011 individuelle Waffeln, Milchshakes und Süßspeisen anbietet. Die Brüder Bahri Murat und Ulvi Topcuoglu starteten aus einer Familientradition heraus mit einem simplen Waffelstand beim Karneval der Kulturen. Das Besondere: Jede Kundin und jeder Kunde konnte seine Waffel selbst gestalten – mit Toppings, Namen oder sogar kleinen Schoko-Botschaften. Der Nachtisch war nicht nur lecker, er wurde zum Erlebnis. Und sah so spektakulär aus, dass Fotos und Videos davon fast automatisch ihren Weg auf Social Media fanden.
Genau das machten sich die Gründer zunutze. Die bunten, überladenen Waffeln waren wie geschaffen für TikTok. Anstatt Social Media nur nebenbei zu bedienen, machten sie es zum Herzstück ihrer Wachstumsstrategie. Sie setzten auf freche und provokante Inhalte und wiederkehrende Gesichter der Mitarbeitenden Lavinia, Aseema und Fatima, die das Bild der Marke prägten.
Die Rechnung ging auf. Viele Videos knackten die Millionenmarke, ein Clip erreichte 2022 mehr als 95 Millionen Aufrufe. Damit wurde Wonder Waffel zu einem der erfolgreichsten deutschen Gastronomie-Accounts auf TikTok. Spätestens 2024 war Wonder Waffel in aller Munde: W & V kürte sie zum „TikTok-Brand des Jahres“, mit einem Median von 157.000 Likes pro Video – ein Rekord im DACH-Raum.
All das war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Video-Strategie:
- Markenbekanntheit: Mit visuell auffälligen und frechen TikTok-Videos bauten sie Reichweite auf.
- Leads & Franchise-Wachstum: Viele Interessierte kamen über TikTok überhaupt erst auf die Idee, selbst einen Standort zu eröffnen.
- Recruiting: Mitarbeitende drehten eigene Clips und sprachen Bewerber*innen an, die wirklich zur Marke passten.
- Kundenbindung: Fans, die Wonder Waffel auf Social Media entdeckten, suchten gezielt die Filialen auf und teilten ihren Besuch online erneut.
Wonder Waffel veröffentlichte also nicht einfach nur irgendwelche Videos, sondern produzierte verschiedene Formate entlang der Kundenreise – vom ersten Kontakt bis hin zur Kundenbindung. So schafften sie erst Aufmerksamkeit, bauten dann Reichweite auf und schufen durch persönliche Einblicke von Lavinia oder Fatima Nähe und Vertrauen. Wonder Waffel wuchs auf heute mehr als 50 Standorte in Deutschland, der Schweiz, Dubai und den USA.
Genau darin liegt die Stärke einer guten Video-Strategie: Sie kann ein Wachstumsmotor sein, wenn sie verschiedene Stufen der Kundenreise berücksichtigt. Denn jemand, der die Marke noch gar nicht kennt, reagiert auf andere Inhalte als jemand, der bereits Fan geworden ist. Und jemand der überlegt, selbst einen Franchise-Standort zu eröffnen oder für Wonder Waffel zu arbeiten braucht wiederum andere Infos. Eine gute Video-Strategie schafft diese Verbindung: Sie richtet die Formate an der Zielgruppe aus, definiert für jede Stufe der Kundenreise klare Ziele und legt fest, wie der Erfolg gemessen wird – statt einfach nur anhand von Views zum Beispiel anhand der Anzahl von Bewerbungen oder Franchise-Anfragen.
Faktenbox / HoverBox
Wonder Waffel auf einen Blick:
- Gründung: 2011 in Berlin durch die Brüder Bahri Murat und Ulvi Topcuoglu
- Besonderheit: Individuelle Waffeln & Shakes mit Toppings, Namen & Botschaften
- Kanal: Millionenaufrufe von Videos auf TikTok
- Strategie: Reichweite durch humorvolle, freche und provokative TikTok-Videos mit echten Mitarbeitenden und Kooperationen mit kreativen Influencer*innen
Wie lernst du deine Zielgruppe kennen?
Ob Til Schweiger oder Wonder Waffel – am Ende kommt es darauf an, die eigene Zielgruppe zu kennen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Flop und Erfolg. Deshalb starte ich jedes Filmprojekt mit Gesprächen. Ich rede mit der Geschäftsführung, den Mitarbeitenden oder auch mit Kund*innen, um zu verstehen, wen wir wirklich erreichen wollen. Eine gute Recherche ist die Basis jeder erfolgreichen Video-Strategie.
Ein Beispiel: Für den Recruiting-Film eines IT-Unternehmens führte ich Interviews mit verschiedenen Mitarbeitenden. Schnell wurde klar: Es ging nicht darum, „irgendwelche“ IT-Fachkräfte zu gewinnen, sondern solche, die Sinn in ihrer Arbeit suchen und Wert auf Teamkultur legen. Menschen, die sich in Konzernen oft wie ein kleines Rädchen im Getriebe fühlen. Für den Film wählten wir deshalb genau die Mitarbeitenden als Hauptpersonen, die diese Werte verkörperten. Das Ergebnis: Der Film sprach Bewerber*innen an, die wirklich zur Firma passten und die Resonanz war deutlich höher als bei klassischen Stellenanzeigen.
Jede Zielgruppe verlangt eine eigene Ansprache. Geht es um die Generation Z? Einen schwäbischen Unternehmer in zweiter Generation? Oder eine junge IT-Entwicklerin, die sich flexible Arbeitszeiten wünscht? Personas helfen, die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse greifbar zu machen. Aber genauso wichtig ist es zu wissen, auf welchen Kanälen deine Zielgruppe unterwegs ist. Die junge Entwicklerin wird wohl keinen Branchennewsletter lesen, sondern auf TikTok swipen. Den schwäbischen Unternehmer erreichst du eher über LinkedIn, Fachportale oder einen Newsletter. Eine gute Video-Strategie berücksichtigt deshalb immer auch die richtigen Touchpoints.
Doch es reicht nicht, ganz trocken alle Fakten aufzulisten. Menschen entscheiden selten rein rational, sondern aus dem Bauch heraus. Die Argumente kommen oft erst hinterher. Genau deshalb funktioniert Storytelling so gut: Es weckt Emotionen und macht Zusammenhänge spürbar. Oder weißt du, wie viele Megapixel die Kamera deines Smartphones hat? Vermutlich nicht. Viel eher freust du dich über die schönen Bilder, die du damit machst. Deshalb spielen Emotionen in Entscheidungsprozessen eine wichtige Rolle.
In meinem Employer-Branding-Film für Sympra ging es genau darum: die Atmosphäre der Agentur spürbar zu machen. Statt Hochglanzbilder zu zeigen, porträtierten wir echte Mitarbeitende, die über Zusammenarbeit, Teamgefühl und spannende Projekte berichteten. Damit entstand emotionale Nähe. Drei Hauptpersonen sprachen dabei Interessierte unterschiedlicher Karrierestufen an. Das Ergebnis fasst die Geschäftsführerin Veronika Höber so zusammen: „Der Film wird eine hohe Halbwertszeit haben, denn er zeigt uns genau so, wie wir sind. Er ist das Herzstück unserer Karriereseite und war die Investition auf jeden Fall wert.“
Meine 5 Schritte für eine erfolgreiche Video-Strategie
- Zuhören macht den Unterschied. Führe Recherche-Gespräche mit deiner Zielgruppe, frage nach und versuche, ihre Bedürfnisse zu verstehen.
- Bring es auf den Punkt. Formuliere die Ergebnisse deiner Gespräche als Schlüsselworte und zwing dich auf den Punkt zu bringen wen und was du erreichen willst.
- Erzähle eine Story. Fakten können uns nicht begeistern, sondern emotionale Storys. Doch es kommt darauf an, wem du welche Story erzählst – sie muss zu deinem Ziel und deiner Zielgruppe passen.
- Denk in Mehrfachverwertung. Plane die Inhalte so, dass du sie auf verschiedene Kanälen nutzen kannst und sie wie Zahnräder ineinandergreifen und auf deine Unternehmensziele einzahlen.
- Miss deinen Erfolg. Definiere vorher, an welchen messbaren Zahlen du den Erfolg festmachst, zum Beispiel an der Zahl qualifizierter Bewerbungen oder Kennlerngespräche.
Wenn du deine Video-Strategie so angehst, erreichst du nicht einfach irgendwen, sondern genau die richtigen Menschen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
So wirst du auf verschiedenen Kanälen sichtbar
Reicht es aus, nur auf einem Kanal präsent zu sein? Manchmal ja – etwa, wenn du sehr lokal oder extrem spitz positioniert bist. Doch sobald du überregional wachsen möchtest, reicht ein einzelner Kanal selten aus. Sowohl KI, als auch Suchmaschinen und Menschen achten gleichermaßen darauf, wie breit du sichtbar bist.
Ein starkes Beispiel ist der Modehändler About You. Das Unternehmen setzt nicht alles auf eine Karte, sondern auf eine Mischung: Die Smartphone-App ist das Herzstück und sorgt für rund 75 % des Umsatzes. Gleichzeitig baut die Marke Reichweite mit Influencer*innen auf TikTok und Instagram auf, hat mit den „About You Awards“ ein eigenes TV-Format etabliert und tritt beim Pangea Festival auch live auf. So begegnet die Zielgruppe der Marke auf dem Handy, im Fernsehen und sogar auf der Bühne und erkennt sie überall sofort wieder.
Auch die Traditionsmarke Bautz’ner Senf zeigt, wie sich eine klassische Marke frisch inszenieren kann. Mit der Kampagne „Was dippst du?“ entstand eine „Senfcrew“ aus sechs TikTok-Creator*innen mit eigener Persönlichkeit. Ob Senf auf Bratwurst, Lachs oder Wassermelone: Die Clips gingen viral. Doch die Kampagne blieb nicht digital: Plakate und Social Posts griffen das Thema auf, sodass Bautz’ner gleichzeitig online und offline präsent war. Das Ergebnis: ein junges, humorvolles Markenbild und jede Menge Aufmerksamkeit.
Genau hier liegt die Stärke einer guten Video-Strategie: Nicht das einzelne Video macht den Unterschied, sondern das Zusammenspiel verschiedener Formate und Kanäle. Ein Multichannel-Ansatz kann zum Beispiel so aussehen:
- Imagefilm: Schafft Vertrauen und erzählt deine Geschichte – sichtbar auf deiner Website.
- Teaservideo: Läuft parallel auf LinkedIn, sorgt für Aufmerksamkeit und leitet Interessierte weiter.
- Newsletter: Bietet einen Behind-the-Scenes-Blick mit Video-Link – perfekt für alle, die Inhalte lieber direkt im Postfach konsumieren.
- Multiplikator*innen: Fachverbände, Mitarbeitende oder Fans teilen deine Inhalte und tragen sie in ihre Netzwerke.
So erreichst du deine Zielgruppe an verschiedenen Orten (Touchpoints). Entscheidend ist, dass alle Bausteine auf dasselbe Ziel einzahlen und sich gegenseitig verstärken.
Wie du verschiedene Kanäle von Anfang an mitplanst
Sichtbarkeit entsteht erst, wenn du die Verbreitung von Anfang an in deiner Video-Strategie mitplanst. Die Universität Hohenheim hat das bei einer internationalen Kampagne zur Bewerbung eines neuen Studiengangs vorgemacht.
Auf der Website stand ein langer Hauptfilm, der genau das zeigte, was Studieninteressierte aus verschiedenen Ländern suchten: einen umfassenden Einblick in den Studiengang. Doch die eigentliche Aufmerksamkeit kam über die Kanäle, auf denen die Studierenden ohnehin unterwegs waren – mit kurzen Video-Ads auf Google, Facebook und Instagram. Sie waren leicht teilbar, schnell konsumierbar und führten direkt zur Studiengangswebsite. Weil die Bewerbungsfrist nahte, setzte die Uni gezielt auf bezahlte Reichweite, um in kurzer Zeit sichtbar zu werden.
So entstand ein Mix aus organischer und bezahlter Reichweite:
- Organische Reichweite: Website, Newsletter und Hochschulnetzwerke, die auf den neuen Studiengang hinwiesen.
- Bezahlte Reichweite: Video- und Bildanzeigen, die international ausgespielt wurden.
Das Besondere: Aus einem einzigen Drehtag entstand nicht nur der Hauptfilm, sondern auch alle Kurzformate für Social Ads, Bilder für Anzeigen und Newsletter-Inhalte. Ein komplettes Content-System aus einer Produktion. Damit die Inhalte noch besser gefunden werden, hilft eine Hashtag-Strategie. Hashtags sind wie kleine Wegweiser, die deinen Content auffindbar machen. Bei einem Film zur Energiewende können Schlagworte wie #ErneuerbareEnergien oder #CircularEconomy die Sichtbarkeit in relevanten Communities steigern. Ein Recruiting-Film für IT-Fachkräfte performt mit #KarriereInTech oder #StuttgartIT deutlich besser als mit allgemeinen Schlagworten. Eine gezielte Hashtag-Recherche kostet wenig Zeit, bringt aber oft spürbar mehr Reichweite.
Infobox: Video-Formate im Überblick
- Imagefilm: Schafft Grundvertrauen und gehört auf die Website.
- Recruiting-Video: Spricht Bewerber*innen direkt an – oft auf LinkedIn, Instagram oder Karriereseiten.
- Erklärvideo: Macht komplexe Produkte verständlich, ideal für YouTube oder Fachportale.
- Social-Ads: Kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate für Reichweite auf TikTok, Instagram oder LinkedIn.
Fazit
Til Schweigers Flop zeigt, was passiert, wenn man seine Zielgruppe nicht versteht. Wonder Waffel dagegen beweist, wie kraftvoll eine Video-Strategie sein kann. Sie machte aus einem kleinen Waffelstand eine internationale Marke.
Die Quintessenz: Sichtbarkeit entsteht nie zufällig. So wie ein Trainingsplan dich zum Marathon bringt, sorgt eine Video-Strategie dafür, dass deine Filme Wirkung entfalten. Mit klaren Zielen, den richtigen Kanälen und verschiedenen Formaten wirst du nicht nur sichtbar, sondern bekannt. Deine Marke bleibt im Gedächtnis und zieht die richtigen Kund*innen an.
Du hast Interesse, einen eigenen Imagefilm oder dergleichen zu drehen, aber weißt nicht, wie du am besten mit der Video-Strategie loslegst? Kein Problem! Ich unterstütze dich von Anfang bis zum Ende bei deinem Vorhaben. Gemeinsam finden wir die perfekte Lösung, um deinen Film optimal zu verwerten und mehr Sichtbarkeit & Reichweite zu erzielen.
Ich freue nehme mir für jeden Kunden, Zeit um einen individuellen Plan zu erstellen, der genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt ist.
Deshalb: Schreib mir! Ich freue mich auf deine Ideen. Lass uns gemeinsam ein tolles, neues Projekt starten!
FAQ
1. Warum reicht es nicht aus, ein Video einfach nur auf Social Media zu posten?
Weil Sichtbarkeit kein Zufall ist. Ein einzelner Post geht schnell unter. Erst eine klare Video-Strategie mit passenden Formaten, Kanälen und einem Veröffentlichungsplan sorgt dafür, dass dein Video wirklich Wirkung entfaltet.
2. Welche Kanäle eignen sich am besten, um mit Videos neue Kund*innen zu gewinnen?
Das hängt von deiner Zielgruppe ab. B2B funktioniert oft über LinkedIn, Fachportale oder Newsletter. Junge Zielgruppen erreichst du eher über Instagram oder TikTok. Wichtig ist: Die Kanäle müssen zu deiner Video-Strategie passen, nicht umgekehrt.
3. Wie definiere ich messbare Ziele für meine Video-Strategie?
Mit klaren KPIs wie Anzahl der Bewerbungen, Newsletter-Anmeldungen, Leads, Franchise-Anfragen oder Website-Besucher*innen. Ziele sind nur dann wirksam, wenn sie messbar sind und wenn sie direkt auf deine Unternehmensstrategie einzahlen.
4. Welche Rolle spielt Content-Recycling bei der Reichweitensteigerung?
Eine entscheidende. Ein Hauptfilm kann in Kurzform als Teaser, Social Ad oder Newsletter-Video weiterverwertet werden. So baust du Reichweite auf verschiedenen Kanälen auf, ohne jedes Mal neu zu produzieren.
5. Woran erkenne ich, ob meine Video-Strategie erfolgreich ist?
Wenn deine Videos nicht nur Klicks sammeln, sondern echte Ergebnisse bringen: neue Kund*innen, Bewerbungen oder Anfragen. Likes sind nett, aber der Erfolg einer Video-Strategie zeigt sich daran, ob sie dein Geschäft voranbringt.

