Fachkräftemangel: So gewinnen Mittelständler Fachkräfte mit Videos

Kamerafrau filmt eine Gruppe junger Menschen in lockerer Atmosphäre für einen Recruiting-Film.

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Der Fachkräftemangel ist kein Markt-Problem, sondern eine Marketing-Problem. Klar, laut Institut der deutschen Wirtschaft fehlen bis 2028 rund 768.000 Fachkräfte. Handwerk, Gesundheit, Erziehung. In der IT können sich Talente ihren Arbeitgeber längst aussuchen und viele kleine und mittlere Unternehmen klagen über ausbleibende Bewerbungen. Ich sage: Es gibt nicht zu wenige Fachkräfte, sondern zu wenige Unternehmen, für die geeignete Talente wirklich arbeiten wollen.

Viele Bewerber*innen springen ab, weil sie sich nicht gehört, gesehen und wertgeschätzt fühlen. Weil der Bewerbungsprozess endlos dauert und die Kommunikation unpersönlich ist. Niemand wartet zwei Wochen auf die Nachricht, dass die Bewerbung überhaupt eingegangen ist. Dazu kommen überzogene Anforderungen, Bewerbermanagement-Systeme, die Menschen nach Schlagworten aussortieren und Stellenanzeigen voller männlich konnotierter Begriffe.

Das Problem sind nicht fehlende Fachkräfte. Das Problem ist ein abschreckendes Bewerbungserlebnis. Noch immer reden viele Unternehmen nur über sich selbst. Sie drehen geskriptete Imagefilme voller Hochglanzbilder und wissen nicht, was ihre Wunschkandidat*innen wirklich antreibt, oder auf welchen Kanälen sie unterwegs sind.

Genau das haben einige Unternehmen verstanden und ihre Ergebnisse sprechen für sich: Ein Hidden Champion aus Baden-Württemberg steigerte die Zugriffe auf seine Karriere-Website um das Siebenfache und eine Organisation im Ländle besetzt mit seinen Recruiting-Filmen seit Jahren problemlos seine Stellen. Weil sie verstanden haben, was ihre Wunschkandidat*innen wirklich bewegt.

Von 0 auf 4,4 Millionen Views: Wie Mittelständler mit Recruiting-Filmen erfolgreich sind

Die unbequeme Wahrheit: 95% aller Recruiting-Filme sind Geldverschwendung. Weil sie nicht in eine Strategie eingebunden sind. Unternehmen drehen aufwändige Imagefilme, bekommen 200 Views und wundern sich, warum keine Bewerbungen kommen.

Doch es geht auch anders, wie drei Beispiele zeigen.

Der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg aus Künzelsau ist ein typischer Hidden Champion: international erfolgreich, technologisch führend, aber außerhalb der Fachkreise wenig bekannt. Als eines der ersten Industrieunternehmen wagte sich Ziehl-Abegg 2020 auf TikTok, als es für viele noch als „Teenie-Spielerei“ galt. Mittlerweile haben einzelne Videos 4,4 Millionen Views, Ziehl-Abegg hat 100.000 Follower und die Zugriffe auf die Karriereseite explodierten um das Siebenfache.

Der entscheidende Unterschied: PR-Leiter Rainer Grill gab die Kontrolle ab. Das Social-Media-Team durfte Führungskräfte durch den Kakao ziehen, spontane Interviews mit Kolleg*innen führen und Einblicke in den Azubi-Alltag geben. Die Videos sind mit dem Smartphone und einfachster Technik produziert und erscheinen regelmäßig. Authentizität, Zielgruppenverständnis und langfristige Planung waren die Erfolgsfaktoren.

Einen anderen Weg ging der Gebäudedienstleister Gegenbauer mit 18.000 Mitarbeitenden. Er machte seine Azubis zu YouTube-Stars: 2018 startete er mit der „CrewCrew“ die erste deutsche Reality-Show für Auszubildende. Sechs echte Azubis lösten vor der Kamera Aufgaben aus dem Arbeitsalltag. Die Videos wurden nicht nur auf YouTube veröffentlicht, sondern die Azubis teilten sie selbst über ihre privaten Social-Media-Accounts und wurden so zu Markenbotschaftern. Das Ergebnis: Aus einem sechsstelligen Investment wurde ein dauerhafter Talent-Magnet.

Noch kreativer war Accenture. Der Beratungsriese startete 2021 eine Gaming-League. So wollte das Beratungsunternehmen sein verstaubtes und uncooles Image loswerden und bei jungen Talenten punkten. Und es klappte. Gemeinsam mit den Rocket Beans, einem Online-Sender aus der Gaming-Szene mit mehr als einer Million Abonnenten, streamten sie Team-Challenges auf Twitch und YouTube. Der Clou: So lernten sich die Teams aus Accenture-Mitarbeitenden und jungen Talenten in lockerer Atmosphäre kennen. Accenture schuf damit eine Bewerbungs-Pipeline für die nächsten Jahre.

Was alle drei Unternehmen verstanden haben: Sie haben erst zugehört und ihre Zielgruppe kennengelernt. Dann sind sie auf den Kanälen aktiv geworden, wo sich ihre Zielgruppe aufhält. Zeig dich, sprich die Sprache deiner Zielgruppe und hol sie dort ab, wo sie aktiv sind.  Denn der Kampf um die besten Köpfe findet nicht mehr auf Jobportalen statt, sondern auf YouTube, TikTok und Twitch.

 

Warum ein Recruiting-Film effektiver ist als Stellenanzeigen

Stellenanzeigen zeigen Fakten: Skill-Sets, Gehaltsspannen, Benefits, aber null Emotionen. Recruiting-Filme sind das genaue Gegenteil. Sie zeigen, wie es sich wirklich anfühlt, Teil eines Unternehmens zu sein. Genau das will die junge Generation wissen. Denn Schlagworte wie „dynamisches Team“, „flache Hierarchien“ oder „Work-Life-Balance“ haben sie schon tausendmal gelesen.

Und schließlich kann „Flache Hierarchien“ auch heißen, dass sich die Chefetage in alles einmischt. Ein Recruiting-Film ist ehrlicher, weil es schwer ist, eine Atmosphäre zu faken. Wenn du jemanden vor der Kamera siehst, weißt du instinktiv, ob er dir etwas vorspielt oder es ernst meint. Vor allem aber sind die persönlichen Storys deiner Mitarbeitenden das Einzigartige, was dich von deiner Konkurrenz abhebt.

Das haben Recruiting-Filme reinen Textanzeigen voraus:

  1. Vertrauen durch Authentizität: Menschen glauben dem, was sie sehen, mehr als dem, was sie lesen.
  2. Emotionale Bindung: Videos aktivieren Spiegelneuronen, deshalb fühlen wir mit den Mitarbeitenden im Video mit, während Stellenanzeigen nur an den Verstand appellieren.
  3. Passende Talente: Es bewerben sich nur diejenigen, die selbst spüren, dass sie reinpassen.
  4. Reichweite: Textanzeigen verschwinden, gute Videos werden geteilt, auch mit denjenigen, die gar keinen neuen Job suchen. Aber dann über einen Wechsel nachdenken.

Die entscheidende Frage ist nicht: „Was kostet es, das alles aufzusetzen?“ Sondern: „Was kostet es, wenn der perfekte Kandidat zur Konkurrenz geht, weil eure Stellenanzeige langweilig war?“ In fünf Jahren werden Unternehmen ohne Recruiting-Filme so wirken wie Firmen ohne Website im Jahr 2000.

So sieht der Recruting-Film für meinen Kunden NEPTUNE IT aus.

Wie eine wirksame Video-Recruiting-Strategie aussieht

Ein Recruiting-Film ohne Distributionsstrategie ist wie ein Plakat im Keller, das niemand sieht. Ein Video ist keine Strategie. Es ist nur ein Baustein. Eine Strategie ist ein Plan, um ein Ziel mit begrenzten Ressourcen zu erreichen. Also die Frage: Mit welchen Inhalten erreiche ich auf welchen Kanälen meine Wunschkandidaten und bringe sie dazu, sich zu bewerben?

Die drei Kern-Elemente:

  • Ziel: Welche Kandidat*innen will ich?
  • Ressourcen: Was habe ich (Budget, Zeit, Menschen)?
  • Weg: Wie bringe ich beides zusammen?

Genauso machte es die Polizei Baden-Württemberg mit ihrer Kampagne „DU VERDIENST EIN WIR“. Statt einfach nur ein Video zu drehen und es zu veröffentlichen, dachte sie den gesamten Bewerbungsprozess mit. Das Ziel war es, junge Menschen für den Polizeiberuf zu begeistern und die Polizei als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Als Ressourcen nutzte das Land die Agentur „Die Kavallerie“ aus Tübingen und der Weg war eine crossmediale Nachwuchswerbekampagne auf Instagram, Facebook und Youtube sowie ein neues Online-Bewerbungsportal.

Das Konzept: Sechs junge Polizist*innen berichten in Mini-Dokus über ihre Motivation, ihre Zweifel und Herausforderungen. Das Ergebnis: Recruiting-Ziele erreicht und den Frauenanteil in einer männerdominierten Branche auf 50% gesteigert.

Die Erfolgsfaktoren sind klar:

  • Echte Menschen mit wahren Geschichten
  • Serien statt Einmalvideos erzeugen Vertrauen
  • Videos liefern Antworten auf Fragen der Zielgruppe
  • Nahtloser Bewerbungsprozess mit wenigen Klicks

Also, baue mit wahren Geschichten erst Vertrauen auf, bevor du rekrutierst. Sprich die Sprache der Plattform, nicht deine Unternehmenssprache. Und zeige echte Zweifel und Hürden, statt Perfektion. Denn Menschen bewerben sich bei Menschen, nicht bei Unternehmen.

Welche Kanäle beim Recruiting wirklich funktionieren

Einen Recruiting-Film auf LinkedIn hochladen und darauf warten, dass Bewerbungen reinkommen, ist keine Strategie, sondern beten. Vor allem, wenn deine Zielgruppe woanders unterwegs ist. Zum Beispiel auf TikTok. Deshalb ist es so wichtig, deine Zielgruppe genau zu kennen. Sonst werden deine Videos von den falschen Menschen gesehen. Und das bringt nix.

Vier Kanäle, die du kennen solltest:

YouTube: Der unterschätzte Recruiting-Gigant. Menschen googeln „Wie ist es, als Mechatroniker zu arbeiten?“ und landen bei deinen Videos. YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und längere Formate schaffen Vertrauen. Ein 10-Minuten-Video über den Azubi-Alltag sagt mehr als hundert Stellenanzeigen. Damit erreichst du alle vom 16-jährigen bis zur 45-jährigen Quereinsteigerin.

Instagram: Emotion schlägt Information. Stories aus dem echten Arbeitsalltag im Snack-Format. Kein Hochglanz, sondern Smartphone-Videos ohne TamTam und Behind-the-Scenes Einblicke. Zeig den Moment, wenn der Azubi seinen ersten großen Auftrag bekommt. Damit erreichst du vor allem 18-35 Jährige, eher weibliche Kandidatinnen.

TikTok ist die Zukunft. Hier sind die 16-24-Jährige aktiv. Punkt. Wer morgen noch Azubis finden will, muss heute auf TikTok sein. Dafür braucht es keinen Hochglanz, sondern authentische Smartphone-Videos. Zeig deine Azubis beim Arbeiten – lass sie die Inhalte am besten selbst erstellen.  

WhatsApp: Der Geheimtipp für lokale Reichweite. 96% aller Deutschen nutzen WhatsApp und sind gut vernetzt. Ein Kunde von mir verteilt eine Video-Serie über die WhatsApp-Gruppen seiner Mitglieder. So werden Aktive zu Multiplikatoren und das Teilen ist mit wenigen Klicks erledigt. Damit erreichst du alle Altersgruppen und bei Fachgruppen auch gleich die richtigen Interessierten.

Wenn du weder Zeit noch Budget für mehrere Kanäle gleichzeitig hast, entscheide: Willst du überall mittelmäßig sein oder auf einem Kanal richtig gut? Wähle den Kanal, wo deine Wunschkandidaten sind. Den Rest vergiss erstmal.

Wie du mit Recruiting-Filmen startest

Uff, war das viel? Keine Sorge, um zu starten brauchst du erst einmal nur drei Entscheidungen:

  1. Welcher Mitarbeiter geht vor die Kamera? Nimm jemanden, der zur Zielgruppe passt. Azubi für Azubis, Fachkraft für Fachkräfte. Keine Geschäftsführer-Monologe.
  2. Welcher Kanal? YouTube für alle Altersgruppen. TikTok für unter 25. Instagram für 18-35. WhatsApp für lokale Suche. Wähle EINEN.
  3. Welche echte Geschichte? Nicht „Wir sind ein tolles Team“, sondern eine Story aus dem Arbeitsalltag. Ehrlich, ungeschönt, authentisch.

Vielleicht denkst du jetzt, so eine Recruiting-Kampagne wird richtig teuer. Falscher Ansatz. Was kostet es dich, wenn deine Stelle ein halbes Jahr unbesetzt bleibt? Headhunter kosten dich 30 % des Jahresgehalts, Zeitarbeitsfirmen nicht selten 30–40 € Verrechnungssatz pro Stunde und dein Problem ist nicht gelöst. Ein Recruiting-Video kostet dich einen Bruchteil und ist eine einmalige Investition, um dir langfristig eine Pipeline an Talenten aufzubauen. Simple Rechnung.

Als Familienunternehmer*in denkst du in Generationen, nicht in Quartalen. Recruiting-Kampagnen und eine Talent-Pipeline sind eine Investition in dein Wachstum und deine Zukunft.

Zwei Frauen führen ein Vorstellungsgespräch in einem modernen Büro mit Tageslicht – Szene für einen Recruiting-Film.

Fazit

In 5 Jahren rekrutieren erfolgreiche Unternehmen über Communities, nicht über Stellenbörsen. Die Frage ist: Baust du jetzt eine Talent-Pipeline auf oder wartest du, bis deine Konkurrenz alle guten Kandidaten hat?

Wer weiter nur Stellenanzeigen schaltet, verliert Talente. Wer stattdessen auf echte Geschichten, eine klare Recruiting-Strategie und die richtigen Kanäle setzt, baut eine Pipeline für die nächsten Jahre auf.

Deine nächsten Schritte:

  1. Entscheide in den nächsten 30 Tagen: Welche Zielgruppe willst du erreichen?
  2. Kläre dein Budget: Was kostet dich eine unbesetzte Stelle vs. eine Videokampagne?
  3. Bestimme den Kanal: Finde heraus, wo deine Zielgruppe aktiv ist.

Mit Recruiting-Videos gewinnst du schneller passende Bewerber*innen, reduzierst Fehlbesetzungen und stärkst deine Arbeitgebermarke. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.

 

Willst du weiter warten, bis du abgehängt bist oder jetzt die Geschichten erzählen, die die richtigen Menschen zu dir bringen? Bevor du die nächste Stellenanzeige schaltest, lass uns sprechen.

FAQ

  1. Warum sind Videos besser als klassische Stellenanzeigen?
    Stellenanzeigen informieren, aber Videos schaffen Vertrauen. Kandidat*innen spüren sofort, ob sie ins Team passen. Das spart Zeit, bringt passendere Bewerbungen und stärkt langfristig die Arbeitgebermarke.

  2. Welche Videos funktionieren für KMUs?
    Mitarbeiter-Interviews funktionieren am besten. Zeige den echten Arbeitsalltag, keine gestellten Szenen. Ein Smartphone reicht meist aus, besonders auf Kanälen wie Instagram oder TikTok. Oft hilft eine Starthilfe in Form von Beratung oder Workshops, um dann ein internes Team regelmäßig neue Inhalte produzieren zu lassen.

  3. Wie teuer ist die Produktion eines Recruiting-Videos?
    Das hängt vom Umfang ab. Ein einzelnes Video kann zwischen 5.000 bis 10.000 Euro kosten, eine Kampagne zwischen 10.000 – 20.000 Euro. Doch ein einzelnes Video reicht meist nicht aus, um genug Aufmerksamkeit zu erregen. Plane von Anfang an strategisch und mit Mehrwert. Je nach Branche macht schon ein einziger gewonnener Mitarbeitender diese Investition wieder wett.

  4. Welche Plattform ist für Recruiting-Videos die richtige?
    Das hängt von der Zielgruppe ab: TikTok und Instagram für Azubis und junge Berufseinsteiger*innen, LinkedIn für Fach- und Führungskräfte, YouTube für längere Formate. Die Karriereseite bleibt aber immer der zentrale Anlaufpunkt.

  5. Wie messe ich den Erfolg eines Recruiting-Videos?
    Anhand der Anzahl qualifizierter Bewerbungen, der Zeit bis zur Stellenbesetzung oder der Quote an Fehlbesetzungen. Die Views sind weniger relevant als Ergebnisse.

 

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Das Portrait von Christine Harbig, der Geschäftsführerin der Filmproduktion Wyld Motion